Nach der Klimakonferenz: Was bleibt?

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Die Weltklimakonferenz ist vorbei – und jedes Mal nach dem Ende dieser alljährlich stattfindenden Mammutveranstaltung fragt sich die Welt: Und? Gibt es Hoffnung? Die Antwort lautet: Ja, es gibt durchaus Grund zur Hoffnung, aber angesichts der vielen vollmundigen Versprechen, die der Weltöffentlichkeit präsentiert wurden, ist eine große Portion Skepsis angebracht. Und was noch viel schwerer wiegt: Die Summe der Klimaschutzzusagen aller Länder reichen bei weitem nicht aus, um den Klimawandel auf 1,5 °C zu begrenzen. Wir befinden uns immer noch auf einem Entwicklungspfad, bei dem sich die Erde um 2,7 Grad erwärmen wird und der Zusammenbruch unserer Lebensgrundlagen vorprogrammiert ist. 

Ein Hoffnungsschimmer ist aber tatsächlich die Tatsache, dass sich das Kohlezeitalter dem Ende zu nähern scheint. Denn zum ersten Mal ist innerhalb einer COP-Abschlusserklärung der Ausstieg aus der Kohle und anderen fossilen Energieträgern überhaupt erwähnt worden. In letzter Minute ist dieser Text zwar noch verwässert worden – es ist nur noch von einem schrittweisen Runterfahren die Rede und nicht von einem kompletten Ausstieg – aber das Signal ist dennoch eindeutig: Kohle ist ein Auslaufmodell. 

 

Déjá-Vu in Glasgow 

Wir von PRIMAKLIMA haben vor allem genau hingeschaut, welche Rolle Bäumen und Wäldern während der Konferenz zugewiesen wurde. Bereits am Anfang wurde auf großer Bühne die Glasgow Leaders‘ Declaration on Forests and Land Use verkündet. Über 100 Länder haben sich damit zum Stopp der Entwaldung bis 2030 bekannt. Eine ähnliche Ankündigung gab es allerdings bereits 2014 mit der New York Declaration on Forests. Das damalige Versprechen: Die Entwaldung bis 2020 zu halbieren. Seitdem sind die Entwaldungsraten aber jährlich gestiegen – Versprechen eindeutig gebrochen.  

Dieses Mal ist einiges anders: Im Gegensatz zu 2014 gehören unter anderem Russland und Brasilien zu den Mitunterzeichnern. Die beiden Länder beheimaten einen bedeutenden Teil der weltweiten Waldbestände; alles in allem repräsentieren die an der Initiative beteiligten Länder nach Angaben der Organisatoren rund 90 Prozent des weltweiten Waldvorkommens. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein – und es gibt gute Gründe, misstrauisch zu sein. Schließlich hat die brasilianische Regierung in den letzten Jahren die Entwaldung mehr vorangetrieben als irgendein anderes Land. Zudem kam kurz nach der Konferenz heraus: Der brasilianische Präsident Bolsonaro hat auf der Klimakonferenz Daten zurückgehalten, die eine weitere Zunahme der Abholzung des Regenwalds belegen.  

 

Geldzusagen für den Erhalt der Wälder 

Immerhin ist anders als beim letzten Mal die Erklärung an konkrete finanzielle Zusagen gekoppelt; das wurde von einigen Beobachtern als positiv hervorgehoben. Unter anderem sollen Gelder in den Globalen Süden gehen, um degradierte Flächen wieder herzustellen und Waldbrände zu bekämpfen. Ob die Gelder tatsächlich in der zugesagten Höhe fließen werden und die jeweiligen Länder ihre Versprechen halten, wird sich zeigen. Wir alle – diejenigen, die professionell mit dem Thema befasst sind sowie die Zivilgesellschaft – werden genau hinschauen müssen. Im schlimmsten Fall werden wir mit ansehen müssen, dass für weitere acht Jahre große Flächen gerodet werden – und in diesem Zeitraum viele wertvolle Wälder unwiederbringlich verloren gehen.  

Ein möglicher kleiner Silberstreif am Horizont: Eine Runde von 28 großen Handelsländern, darunter auch Deutschland, hat in Glasgow die Vereinbarung getroffen, entwaldungsfreie Lieferketten zu etablieren. Die Vereinbarung soll für Güter wie Palmöl, Soja und Kakao gelten – allesamt Produkte, die als große Treiber für Entwaldung und Abholzung gelten. Die Ankündigung zeigt in die richtige Richtung. Dass sich auf diesem Gebiet etwas tut, belegt auch der vor wenigen Tagen von der EU-Kommission veröffentlichte Gesetzesvorschlag für entwaldungsfreie Lieferketten. Aber es gibt Nachbesserungsbedarf. Unter anderem können artenreiche Ökosysteme wie Moore weiterhin in Agrarflächen umgewandelt werden. Da muss dringend nachgeschärft werden.  

 

Ein viel zu exklusiver Gipfel 

Und dann wäre da noch ein großer Wermutstropfen, der erwähnt werden muss: Nur wenige Repräsentant:innen der Länder des Globalen Südens hatten die Möglichkeit, an der COP 26 teilzunehmen. Der Grund: Pandemie-Restriktionen und unerschwingliche Hotelzimmerpreise. Damit rückte die Frage nach Klimagerechtigkeit einmal mehr in den Hintergrund – und damit die Frage danach, in welchem Maß unser Wohlstand auf Kosten des Globalen Südens erkauft wurde. Dabei ist klar, dass sämtliche Industrienationen, und damit auch Deutschland, einen besonderen Anteil an der Klimakrise haben. Denn die kumulierte CO2-Menge, die seit Beginn der Industrialisierung bereits ausgestoßen wurde, ist die eigentliche Ursache für die bereits eingetretenen Erwärmung und die für uns alle sichtbaren Folgen. Dieser historischen Verantwortung wurde auf der Konferenz wieder einmal nicht Rechnung getragen – schlimmer noch: Die Verhandlungen über den Umgang mit bereits eingetretenen Schäden und Verluste, unter denen vor allem die Länder des Globalen Südens schon jetzt leiden, müssen als Misserfolg bewertet werden. Das ist vor allem eins: Beschämend.

Zumindest einige Aktivist:innen aus den besonders betroffenen Ländern konnten jedoch ihre Stimme erheben – darunter die kenianische Aktivistin Elizabeth Wathuti . Sie forderte die betreffenden Länder dazu auf, „ihrer historischen Verantwortung“ gerecht zu werden. Zum Abschluss ihrer Rede sagte sie: „Die Entscheidungen, die Sie hier treffen, werden bestimmen, ob der Regen in unser Land zurückkehrt.“ Die Worte klingen geradezu poetisch, aber sie spiegeln die harte Realität wider, in der sich ihre Heimat befindet: Der Norden Kenias wird von einer historischen Dürre heimgesucht; das Land ist nur ein Beispiel für das Ausmaß an Leid, das die Klimakrise bereits jetzt weltweit verursacht. Ob diese Krise noch schlimmere Ausmaße annimmt, hat unter anderem viel damit zu tun, ob das Bekenntnis zu der entscheidenden Rolle von Wäldern auch nach der Weltklimakonferenz noch nachhallt. Denn Wälder spielen in vielerlei Hinsicht eine zentrale Rolle für das Klima: Sie haben nicht nur erheblichen Einfluss auf die weltweite Verteilung von Regen, durch den Schutz bestehender Wälder werden auch weitere Emissionen in erheblichem Umfang verhindert – und durch die Wiederbewaldung bereits emittiertes CO2 in großem Umfang aus der Luft gefiltert. Wir können es uns daher nicht leisten, auf sie im Kampf für Klimagerechtigkeit und gegen die Klimakrise zu verzichten.

(von Nina Giaramita)

 

 

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