Klima? Ach ja, da war ja noch was.

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Letztes Jahr um diese Zeit stand unser Telefon kaum still. Zahlreiche Menschen hatten vor allem eines im Kopf: den Kampf gegen die Klimakrise. Einer Forsa-Umfrage zufolge wurde in Deutschland das Thema Klimawandel als das drängendste politische Problem wahrgenommen. Das ist fast genau ein Jahr her.

Enorm viele Spenden für Aufforstungen gingen bei uns ein, Anfragen für Interviews waren an der Tagesordnung. Das Klima-Thema beherrschte die Medien. Immer mehr Kommunen riefen den Klimanotstand aus und gefühlt alle paar Wochen gingen tausende Menschen auf die Straße. Aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen, Parteien und Initiativen kommend, verband sie ein starkes Gefühl: ein unaufschiebbarer Handlungsdruck.
Und heute? Heute ist irgendwie alles anders. Man ertappt sich dieser Tage fast dabei, sich über Wahlplakate zu wundern, auf denen vom Klima die Rede ist. Dieses Wochenende sind Landtagswahlen in NRW und da ist Klimaschutz natürlich Thema. Eines von vielen. Im täglichen Leben ist davon aber nur noch wenig die Rede. Hat man vor einem Jahr noch überlegt, was man auf das Plakat für die nächste Demo malt, geht es heute viel mehr um die Frage, ob bei der Konfirmation des Neffens alle draußen Platz finden und dort weit genug auseinander sitzen können. Aber was machen wir, wenn es regnet?
Unser Alltag hat sich verändert.

 

Stillstand beim Klima? Davon kann keine Rede sein.

Corona hat die Welt ausgebremst. Damalige Szenen von riesigen Klimademos sind heute nicht mehr vorstellbar. Die Bekämpfung von Corona fordert von uns allen viel Ausdauer und Kraft. Klima-Proteste hatten sich zunächst vor allem ins Internet verlagert, kleinere Aktionen unter den notwendigen Hygieneregeln inzwischen wieder stattgefunden. In einigen Wochen soll es dann erstmals wieder in größerem Umfang auf die Straße gehen. Mit Abstand. Und mit vielen unaufschiebbaren Forderungen. Denn wir brauchen jetzt bessere Antworten für eine saubere Zukunft! Jüngst hieß es noch, die Wirtschaft erhole sich schneller als zunächst erwartet. Aber zu welchem Preis? Unser Planet ist alles andere als in einem Zustand der Erholung. Das Frühjahr 2020 war viel zu früh viel zu warm. Polarregionen haben diesen Sommer wieder Rekordtemperaturen erlebt. 38 Grad in Sibirien? Die Klimakrise macht es möglich. Die dortigen Waldbrände zerstören nicht nur wertvolle Lebensräume, sondern setzen große Mengen CO2 frei. Ein Teufelskreis. Und manch eine:r verschließt vehement die Augen. So geht beispielsweise die Rodung des brasilianischen Regenwaldes unvermindert weiter und lässt die globale Waldfläche sukzessive weiter schrumpfen. Dramatische Bilder, die das Ausmaß der Gegenwart vor Augen führen. Bilder, die kaum auszuhalten sind – offenbar aber nicht jeden Menschen in gleicher Weise beeindrucken.

 

Wann, wenn nicht jetzt?

Die letzten Monate haben uns allen gezeigt, dass die Menschheit handlungsfähig ist. Wenn es sein muss, kurzfristig und unmittelbar. Bei Krisen muss genau das sein. So sehr uns die Corona-Krise physisch auseinander zwingt, so sehr zeigt sie auch, dass Krisen nur gemeinsam bewältigt werden können. Dass Zusammenhalt unglaubliche Kräfte freisetzen kann. Ein einzelnes Kreuz macht keine politische Wendung möglich, ein einzelnes Plakat keine pulsierende Demonstration und ein einzelner Baum keinen lebendigen Wald. Viele haben aber enormes Veränderungspotential.
Klar, Corona ist noch nicht aus der Welt und wird uns alle noch eine ganze Weile begleiten. Das kostet Kraft. Aber wir sind davon überzeugt, dass wir uns mehreren Herausforderungen gleichzeitig stellen können. Gemeinsam. Deshalb: Lasst uns kollektiv wieder laut werden für das Klima! Lasst Entscheidungsträger:innen spüren, dass das Thema nicht in Vergessenheit geraten ist und dass wir zusammenstehen. Für diesen einzigartigen Planeten.

 

 

(von Anja Heimrath)

 

 

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