Die Ampel-Regierung: Den Wald im Blick – für den Klimaschutz

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Die neue Regierung ist im Amt – jetzt geht es an die Arbeit. Was heißt das für den Wald? Wer eine Ahnung davon bekommen will, welche Richtung eingeschlagen wird, kann den rund 180 Seiten starken Koalitionsvertrag durchblättern – und wird schnell bemerken, dass im Vergleich zu vorher eine andere Tonlage herrscht.

Bisher stand die „multifunktionale Forstwirtschaft“ (O-Ton vorheriger Koalitionsvertrag) viel mehr im Vordergrund – worüber sich vor allem die Akteure im Holz-Business freuen konnten.  Die Rolle der Wälder als überlebenswichtige Akteure im Kampf gegen die Klimakrise spielte dagegen in der Vergangenheit eine viel zu kleine Rolle. Der neue Koalitionsvertrag verspricht in dieser Hinsicht einiges mehr – muss er auch, denn bereits im Titel wird Nachhaltigkeit als zentrales Anliegen benannt.

Erfreulich eindeutig

Folgerichtig wird das Thema Wald gleich in mehreren Kapiteln adressiert. Konkrete Ausführungen gibt es vor allem in dem Kapitel „Natürlicher Klimaschutz“. Dort liest man in erfreulicher Eindeutigkeit, dass der Wald „für das Erreichen unserer Klimaschutzziele unerlässlich ist“. Die Feststellung mag banal klingen, die Anerkennung dieser Tatsache ist aber bereits ein großer Fortschritt; angesichts der bisherigen Politik, in der Wald und Forstwirtschaft meistens in einem Atemzug genannt wurden – und es damit vor allem darum ging, mit dem Rohstoff Holz Geld zu verdienen.

Im neuen Vertrag wird dagegen versprochen, die „Resilienz der Ökosysteme“ zu stärken; und das mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen. Besonders positiv: Es sollen artenreiche Wälder mit überwiegend standortheimischen Bäumen geschaffen werden. Dieser Maßgabe folgen wir bei den Projekten von PRIMAKLIMA schon seit Langem – jetzt wird die Botschaft, dass Forst-Monokulturen keine Zukunft mehr haben, endlich auch von offizieller Seite verkündet.

Ein überfälliger Schritt

Damit das gelingt, müssen Waldbesitzer:innen gezielt finanziell unterstützt werden. In der Vergangenheit wurde dieses Ziel leider verfehlt, denn die Waldhilfen wurden meist nach dem Gießkannenprinzip verteilt: Je mehr Wald, desto mehr Geld gab es. Verknüpft war diese Prämie lediglich mit der Voraussetzung, dass der Wald nach dem PEFC- oder FSC-Standard zertifiziert ist. Vor allem der PEFC-Standard ist aber ökologisch wenig ambitioniert. Das soll sich jetzt ändern. Die Klimaschutz- und Biodiversitätsleistung der Wälder soll honoriert werden – und damit der Wald als ganzheitliches Ökosystem in den Mittelpunkt gerückt werden. Das ist ein Schritt, der längst überfällig war.

Eine weitere wichtige Maßnahme: Unter anderem soll überprüft werden, ob die sogenannte Bundeswaldinventur öfter erfolgen soll. Die Inventuren sind die Grundlage für die jährlichen nationalen Treibhausgasberichte – sie liefern Auskunft über die Kapazität der Wälder, Kohlenstoff zu speichern. Daher ist es richtig, dieses Instrumentarium in der sich bereits entfaltenden Klimakrise nicht nur alle zehn Jahre zu nutzen. Zusätzlich soll ein digitales Waldmonitoring eingeführt werden; das kann nur hilfreich sein, Denn so kann die Entwicklung in den Wäldern schnell und umfassend abgebildet werden.

Es sind viele kleine Trittsteine in diesem Papier, die die Rolle der Wälder zukünftig stärken könnten. Dennoch heißt es erst einmal abwarten – ob tatsächlich ein Wandel im Wald erfolgt. Denn Koalitionsverträge sind vor allem erst einmal eins: ein Versprechen. In den nächsten Jahren werden wir sehen, ob dieses Versprechen auch eingelöst wird. Wir wünschen – in unser aller Interesse – gutes Gelingen.

(Nina Giaramita)

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